Freitext

Liebe Leser und Freunde deutschsprachiger Dichtkunst

 

Hier entsteht ein Blog, in dem ich so viele Gedichte wie möglich zusammentragen möchte.

Aus Gründen des Urheberrechts kann ich aber nur von jenen Dichtern Werke veröffentlichen, die vor mindestens 70 Jahren verstorben sind.

Dieser Blog ist noch im Aufbau und ich würde mich freuen, wenn sie ab und zu mal vorbeischauen und die Fortschritte beobachten.

Ich wünsche ihnen in Zukunft viel Spaß mit diesen Blog.

Dienstag, 6. oktober 2009 2 06 /10 /2009 22:44
 
     
  Cometen-Gedancken

/ An. 1664

O Flamme/ von dem Zorn des Höchsten angesteckt/
Zu welcher unsre Schuld hat Stroh und Holtz gegeben/
Du must vor aller Welt am hohen Himmel schweben/
Damit der schnöde Mensch/ vom Sünden-Schlaff erweckt/
Die Strahlen deiner Glutt in Marck und Bein empfinde/
Das Feuer heisser Buß in seiner Seel entzünde.

Es darff Tisifone der schwarzen Fackel nicht/
Die ein verblendter Heyd als schädlich wird erkennen:
Was für ein Feuer soll ins künfftig wieder brennen/
Bezeuget mehr als viel dein dunckel-rothes Licht/
Das so viel Strahlen nicht von seiner Ruthe spreitet/
So viel uns Ach und Weh die Nemesis bereitet.

Die Nemesis/ die sich nicht eh zu Frieden stellt/
Biß daß sich Blutt und Safft aus unsern Adern zehret/
Biß Krieg/ biß Brand und Pest/ Dorff/ Stadt und Land verheeret/
Biß Staub und Asch und Grauß bedecket alle Welt/
Biß dieser rundte Bau vom Feuer auffgefressen/
Und von dem Höchsten selbst Gerichte wird gesessen.

Was Rath ist hier zu thun? Ein Epicurer sagt:
Was scheuen wir die Glutt der ungewissen Flammen
Eh daß sie über Haubt und Hertze schlägt zusammen/
Wofern der Mensch dadurch zur Straffe wird betagt/
Soll er der kurtzen Frist in Ruh und Lust genüssen/
Wo nicht/ was will er sich in eitler Sorge wissen?

Diß aber heist das Oel dem Feuer setzen bey:
Hier muß ein Christen-Hertz auff andre Mittel dencken/
Des Höchsten strengen Zorn und Eyfer abzulencken/
Vor dem der feste Grund der Felsen reist entzwey/
Der über alle Zeit ohn alles Ende währet/
Und nicht wie dieser Stern sich mit der Zeit verzehret.

Die Busse muß allhier das beste Mittel seyn/
Das Gottes strengen Grimm in tieffen Abgrund sencket/
Und in gesaltzner Flutt der Thränen-See erträncket:
Der Rachen führet uns in sichern Hafen ein/
Wenn das geraume Schiff des Himmels und der Erden
Am grossen Tage wird des Feuers Beute werden.

Hier liegt dein armes Volck/ o viel erzürnter Gott!
In wahrer Reu und Leyd für deinem hohen Throne/
Wir bitten: strenger Herr und liebster Vater/ schone/
Verschon und wende weg die angedräute Noth:
Und soll ja unser Leib nach deinem Willen büssen/
So laß die Seele doch sich frey und sicher wissen.

Hans Aßmann Freiherr von Abschatz
 
     
Zurück Übersicht Abschatz Weiter

 

 

 

 

 

 

von Amadeus - veröffentlicht in: Abschatz - Community: Deutsche gedichte
Kommentar hinzufügen - Kommentare () - empfehlen
Zurück zur Hauptseite

Über diesen Blog

Kategorien

Erstellen Sie einen Blog auf de.over-blog.com - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Missbrauch melden